Tipps und Tricks zur Pilleneinnahme

Täglich erreichen uns in der Praxis Anfragen über die Einnahme der Antibabypille. Häufig geht es dabei um Einnahmefehler oder Fragen zur Sicherheit. Deshalb haben wir einige ‚goldene Regeln‘ zusammengestellt, die praxisnah viele Fragen beantworten.

Goldene Regel Nr 1:

Nie ohne Not die Pille absetzen

Eine häufige Ursache für ungewollte Schwangerschaften ist das voreilige Absetzen der Pille. Deshalb sollten Sie, solange Sie sexuell aktiv sind und nicht schwanger werden wollen, nie ohne Not die Pille absetzen.

Die Pille ist ein sehr zuverlässiges Verhütungsmittel. Erst wenn Sie sie mehr als 12 Stunden zu spät eingenommen haben, ist die Sicherheit möglicherweise beeinträchtigt. Der größte Fehler ist dann, mitten im Einnahmezyklus aufzuhören. Je nach Zyklusphase ist es möglich, dass Sie schon kurze Zeit später einen Eisprung haben und ungewollt schwanger werden. Außerdem kann es sein, dass Sie eine Zwischenblutung bekommen oder die nächste Blutung sogar ausfällt. Sie wissen dann nicht, wann Sie wieder mit der Pille anfangen können und sind womöglich längere Zeit ungeschützt. Deshalb ist es besser, die Pille weiterzunehmen und sich zusätzlich zu schützen. Wenn Sie merken, dass sie am Vortag die Pille komplett vergessen haben, können Sie auch zwei Pillen auf einmal nehmen, um im Einnahmerhythmus zu bleiben.

Bei schwerwiegenden Komplikationen wie außergewöhnlich starken Kopfschmerzen mit Sehstörungen, Verdacht auf Thrombose oder Embolie sowie einer nachgewiesene Schwangerschaft sollten Sie die Pille absetzten und sofort einen Arzt/Ärztin aufsuchen.

Goldene Regel Nr 2:

Bei Einnahmefehlern zusätzlich Kondome

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie die Pille ausreichend schützt, sollten Sie zusätzlich Kondome benutzen.

Das gilt auch, wenn Sie vermuten, dass durch Durchfall oder Erbrechen die Wirkung der Pille beeinträchtigt sein könnte. Aus diesem Grund empfehlen wir auch, wenn Sie Medikamente einnehmen, die wie bestimmte Antibiotika die Wirkung der Pille beeinträchtigen könnten, die Pille nicht abzusetzen und zusätzlich Kondome zu nutzen. Antibiotika und die Pille sollten möglichst nicht zeitgleich eingenommen werden, da sie gegenseitig die Aufnahme behindern können.

Auch bei Blutungsunregelmäßigkeiten wie Zwischenblutungen, Vor- oder Nachschmieren sollten Sie zunächst den angefangenen Pillenstreifen zu Ende einnehmen. Wenn dann in späteren Einnahmezyklen wiederholt Blutungsstörungen auftreten, sollten Sie Ihren Frauenarzt/ärztin aufsuchen.

Hinweis: In der 7-tägigen Pillenpause müssen Sie sich normalerweise nicht zusätzlich mit Kondomen schützen. Die Pille ist so dosiert, dass Sie bei korrekter Einnahme auch in der Pause ausreichend geschützt sind.

Goldene Regel Nr 3:

Im Zweifelsfall einen Schwangerschaftstest machen

Die Brust ist so empfindlich. Sie haben ein flaues Gefühl im Magen. Es zieht so im Unterleib. Aber die Periode kommt nicht so richtig. Sie haben plötzlich Lust auf Vanilleeis mit sauren Gurken. Und Ihre Träume sind ganz rosa…

Dann machen Sie doch einfach mal einen Schwangerschaftstest! Wenn der negativ sein sollte, dann wissen Sie, dass diese merkwürdigen Symptome nicht mit einer Schwangerschaft zusammenhängen können.

Und wenn der Test positiv ist?
Dann machen Sie einen Termin bei Ihrem Frauenarzt/ärztin. Und in der Zwischenzeit hören Sie auf zu rauchen, stellen den Alkoholkonsum ein, ernähren sich ausgewogen und nehmen Folsäure und Jodid.

Preisgünstigere Antibabypillen

Durch den Wegfall des Patentschutzes und den harten Wettbewerb auf dem Pharmamarkt sind die Preise für Antibabypillen in letzter Zeit stark in Bewegung geraten.

Möglicherweise hat Ihnen die Apotheke bereits Alternativpräparate angeboten. Wenn Sie jünger als 20 Jahre sind, bekommen Sie die Pille auf Kassenrezept. In diesem Fall ist es möglich, dass Ihre Krankenkasse Rabattverträge mit bestimmten Herstellern geschlossen hat. Dann ist es möglich, dass Sie eine eine andere Pille als auf dem Rezept ausgewiesen bekommen. Diese Pille sollte aber die gleichen Inhaltsstoffe haben.

Da die Preise für inhaltsgleiche Pillen durchaus bis zu 100% variieren können, sprechen Sie uns an. Wir suchen dann für Sie die aktuell preisgünstigste Alternative.

Thromboserisiko


Immer wieder sorgen Veröffentlichungen über das Thromboserisiko von Antibabypille oder Hormonersatzmitteln für Verunsicherungen. Dabei kommt es sehr darauf an, wie die Information dargestellt wird.


Die Aussage „Die Antibabypille erhöht das Risiko eine Thrombose zu erleiden um das vierfache“ hört sich zunächst sehr gefährlich an. Bedeutet dies doch, dass die Wahrscheinlichkeit, ein lebensgefährliches Ereignis zu erfahren, um 400% steigt. Tatsächlich kommt es bei 99,98% der Frauen, die die Pille nehmen, nicht zu einer Thrombose.

In Großbritannien führte die Schlagzeile „Pille erhöht Thrombose-Risiko um 400%“ übrigens zu 13.000 Abtreibungen mehr als üblich, weil viele Frauen sofort die Pille absetzten.

Wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Wahrnehmungen? Das liegt ganz einfach daran, dass die eigentlich wichtige Größe, nämlich die tatsächliche Anzahl Erkrankungen, unbekannt ist. Das absolute Risiko einer Frau an Thrombose zu erkranken ist nämlich sehr gering: ohne Pille erleiden 5 von 100.000 eine Thrombose, mit Pille sind es 20 von 100.000 – immer noch wenige.

Außerdem beeinflussen zahlreiche zusätzliche Faktoren wie Alter, Übergewicht, Rauchen und angeborene Gerinnungsstörungen das Risiko ganz erheblich. In den USA wurde eine Studie mit über 70.000 Personen durchgeführt, die über 16 verschiedene Einflussfaktoren berücksichtigt. Nach Auswertung der Studie wurde eine Risikokalkulator entwickelt, mit dessen Hilfe Sie Ihr individuelle Risiko berechnen und anschaulich darstellen lassen können. Auf unserer Internetseite finden Sie eine deutsche Übersetzung des Rechners.